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Blade Runner

Blade Runner

USA 1982 / 112 Min.

Regie: Ridley Scott

Drehbuchautor: Hampton Fancher, David Webb Peoples
Basiert auf der Geschichte Träumen Androiden von elektrischen Schafen? von Philip K. Dick Editor 

Kamera: Jordan Cronenweth

Darsteller/innen: Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos, Emmet M. Walsh, Daryl Hannah

 2019 - Los Angeles: Ein Labyrinth aus Düsternis, Überbevölkerung, saurer Regen. Rick Deckard (Harrison Ford) ein Blade Runner, einer, der Replikanten auf der Spur ist,die untergetaucht sind. Replikanten sind Menschen, künstlich hergestellt, aber mit übernatürlicher Stärke.


 

Sie werden für Militär- und Sklavendienste, bei der Ausbeutung und Erforschung des Weltraums eingesetzt und sind auf vier jahre programmiert. Die Erde dürfen sie nicht betreten!
Nexus-6, eine neue Replikantengeneration ist allerdings so menschlich, das sie auch den Überlebensdrang der Menschen besitzt. Einige von ihnen haben sich ein Raumschiff gekarpert und sind im düsteren L. A. untergetaucht, um das Geheimnis ihrer Existenz zu ergründen und ihre Lebensspanne zu verlängern. Deckard soll diese replikanten suchen und zerstören. Der Jäger, einer der härtesten der Blade Runner, gerät in einen schweren Gewissenskonflikt, als er sich in Rachel (Sean Young), eine schöne Replikantin verliebt und ihre Menschlichkeit erfährt...


Blade Runner ist wahrscheinlich der größte SciFi- Thriller der 80er Jahre. Alles was nach ihm kam, kam nicht über den Status eines Plagiats hinaus, war nicht halb so gut wie dieses Meisterwerk, besonders nachdem der fulminante Director's Cut 1993 auch noch die letzten Mängel aus dem Film tilgte. Bis heute wurde nie wieder ein Film mit solch' einer Atmosphäre gedreht. Ridley Scott hat da etwas geschaffen, was nicht nur als Film, sondern auch als Kunstwerk ewig in den Köpfen der Menschen bleiben wird.
Dabei wirkt die Story recht einfach. Ein Mann wird ausgeschickt, Androiden zu töten. Das war's. Aber sofort merkt der Zuschauer, diese Androiden entsprechen nicht dem, was wir als Androiden kennen. Sie sind uns Menschen ähnlich, körperlich etwas stärker, geistig ebenbürtig wenn nicht sogar überlegen, und, das ist dann auch das schwerwiegendste, sie haben menschliche Gefühle. Sie lieben, sie hängen am Leben, sie freuen sich, sie trauern und sie hassen. Sie sind Menschen, doch sind sie künstlich. Haben wir das Recht, solche Wesen als Sklaven zu benutzen, ist das nicht, wie die Sklaverei im Altertum oder die Lehnsherrschaft des Mittelalters? Dazu die Frage: Wer ist eigentlich Mensch? Man kann sich selbst nicht mehr sicher sein, ein Mensch zu sein. So auch Deckard, der Hauptprotagonist. Er kann die Grenzen zwischen Mensch und Replikant nicht mehr unterscheiden. Nur ein diffiziler Test, ein technisches Instrument, sagt ihm, wer Mensch und wer künstliches Wesen ist. Er selbst unterzieht sich einem solchen Test: Der Zuschauer erfährt nie, was er dabei über sich lernt.
Diese Probleme beschäftigen die Zuschauer, wie auch Deckard, in einer dunklen Zukunft. Los Angeles ist nur noch von den Menschen bewohnt, die es zu nichts gebracht haben. Man lebt in einer ewigen Dunkelheit, der saure Regen prasselt unaufhörlich auf die Menschen herab, die, verfolgt von allgegenwärtiger Werbung, versuchen, ihrem Tageswerk nachzugehen. Die Welt ist ein Schmelztiegel der Kulturen, die nur durch ihre kollektive Armut und die Großindustrie zusammengehalten werden. Das Leben existiert nur noch künstlich, echte Tiere sind so gut wie ausgestorben. Was ist hier noch lebenswert?
Ridley Scott gibt den Zuschauer kein Entrinnen aus dieser Hölle. Die einzigen Lichtkegel, die düstere Fabrikhallen erleuchten, sind die der Werbeballons, die für ein besseres Leben außerhalb der Erde werben. Welch Ironie! Denn, wie das Licht, sind diese Gefilde unfaßbar, unerreichbar für die Protagonisten. Der einzige wirkliche Lichtschein im Leben Deckards ist Rachael, eine Replikantin. Und auch sie wird ihm genommen werden: Nur begrenzte Lebensdauer. (Jedenfalls im Director's Cut, aber dazu später).
Der Zuschauer wird verstört aus dem Kino entlassen. Die Stimmung dieses SciFi- Film Noir drückt noch Tage später auf das Gemüt. Denn es ist alles einfach zu perfekt: Harrison Ford ist, wie immer, großartig. Rutger Hauer liefert die Vorstellung seines Lebens. Wenn sich die beiden gegen Ende gegenüberstehen, knistert die Spannung, versprüht die Leinwand mehr Spannung und Atmosphäre als herkömmliche Klassiker im ganzen Film.
Alleine diese Szene hat mehr Kraft, als so gut wie alle SciFi- Filme gemeinsam. Leider wurde ein weitaus positiver Schluß an die Originalversion drangehängt, da er den Produzenten zu düster erschien. Dadurch wurde der ganze Film nur allzu positiv. Ein Anachronismus der beim Director's Cut beseitigt wurde. Daneben wurden die Voice- Over- Kommentare Deckards von der Tonspur entfernt, was dem Zuschauer viel mehr Interpretationsfreiheit gibt und auch die Atmosphäre verstärkt. Nur eine einzige Szene wurde wirklich hinzugefügt: Eine Traumsequenz Deckard's. Diese erschwert es dem Zuschauer, zusammen mit der neuen Schlußeinstellung, Deckard als Menschen zu sehen. Er ist der menschliche Bezugspunkt, sozusagen der 'Held', aber ist er auch ein Mensch?
Wie schafft man es, einem Film mit solch einer verzwickten Selbstfindung als zentralem Handlungselement, noch eine solche Spannung und eine solche Atmosphäre zu verschaffen. Nun, das Erste läßt sich leicht beantworten: Die Selbstfindung ist perfekt in eine Thriller- Handlung eingebettet, die nicht zu wenige Spannungs- und Actionelemente bereithält. Das Drehbuch hat dies großartig umgesetzt. Dazu kommt noch die Spannung aus der Charakterentwicklung. Im normalen Mainstream- Kino gibt es selten eine wirkliche Charkterentwicklung. Hier aber geht in Deckard eine Wandlung durch, die für ihn sein Menschenbild und sein Weltbild auf den Kopf stellt.

Das Verstörteste ist, daß der Zuschauer sich auch verändert,sich entwickelt, seinen eigenen Horizont erweitert. Man beginnt, über Dinge zu sinnieren, die man früher nie für wichtig genommen hat. Das Zweite läßt sich nur durch das perfekte Zusammenspiel der Crew erklären. Die Atmosphäre setzt sich aus der visuellen Kraft der Bilder, der schauspielerischen Leistung und nicht zuletzt der genialen Musik von Vangelis zusammen.
Blade Runner ist, besonders im perfekten Director's Cut, ein Film, den man, so meine ich, gesehen haben muß. Er gehört für mich zur Allgemeinbildung und sollte von jedem angeschaut worden sein. Da es ein Film ist, der (jedenfalls hier) regelmäßig von den Kinos wiederaufgeführt wird, möchte ich jedem empfehlen, darauf zu warten und Videokassette, bzw. Fernsehausstrahlung (nur alte Version!) links liegen zu lassen.

Quelle: "cult-film-classics" (z.Zt.-leider-nicht mehr online)

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