Die glorreichen Sieben
| The Magnificent Seven
USA 1960, 123 Min.
Drehbuchautor:
William Roberts, Walter Newman, nach dem Film Kamera: Charles Lang jr. Darsteller:
Yul Brynner, Steve McQueen, Horst Buchholz, Charles Bronson, |
| Awards Best Music, Scoring of
a Dramatic or Comedy Picture |
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| Ein mexikanisches Dorf wird jedes
Jahr zur Erntezeit von Banditen überfallen und um die
Frucht seiner Arbeit gebracht, die ohnehin nur
ausgereicht hätte, um es über den Winter zu bringen.
Calvera (Eli Wallach) ist der Anführer der Banditen. Um
diesen Raubzügen endlich ein Ende zu bereiten, schicken
die Bauern drei Abgesandte an die Grenze. Sie sollen Waffen kaufen und nach Möglichkeit
einige Männer anwerben, die bereit
wären, das Dorf gegen Calvera zu verteidigen; als Lohn
sollen sie alles anbieten, was das Dorf zu geben hat.
Chris (Yul Brynner), ein erfahrener Revolvermann, geht
auf dieses Angebot sofort ein und rekrutiert sich seine
Mannschaft. Vin (Steve McQueen) kommt mit, weil er eine
möglichst aufregende Beschäftigung sucht. Der unerfahrene Chico
(Horst Buchholz) ist wild auf die Gelegenheit, mit
richtigen Professionellen zu reiten. Harry (Brad Dexter)
glaubt nicht daran, daß Chris einen so mager entlohnten
Auftrag annehmen würde; er ist sicher, daß in dem Dorf
auch ein Entgelt in Gold zu finden ist. Lee (Robert
Vaughn), ein eleganter Gunman, der sich auf seine
Fertigkeiten nicht mehr ganz verlassen kann, muß für
eine Weile aus seinem bisherigen Tätigkeitsbereich
verschwinden. Britt (James Coburn) ist immer auf einen
Job scharf, der extreme Anforderungen an ihn stellt. Der
heimatlose Halbindianer Bernardo (Charles Bronson) ist
der einzige, der aus Mitleid mit den Bauern mitmacht. Die Sieben
bringen den Bauern den Umgang mit Waffen bei. Zu ihrer
Verwunderung scheint die Bevölkerung nur aus Männern zu
bestehen. Chico stößt dann in der Umgebung auf ein Mädchen, Petra (Rosenda Monteros), und
findet heraus, daß die Frauen vor den Sieben in den
Wäldern versteckt wurden. Mit einigen seiner Leute reitet er in die Berge, wo Calvera sein Lager aufgeschlagen hat, und treibt die Pferde der Banditen auseinander. Jetzt muß Calvera angreifen. Viele der Dorfbewohner verfluchen deshalb die Sieben, die sie vor kurzem noch als Retter in der Not dankbar gefeiert hatten. Calvera versteht es, diese Situation für sich auszunutzen. Er lockt die Sieben aus dem Dorf heraus und besetzt die Befestigungen, die einmal dafür gebaut worden waren, um die Banditen fernzuhalten. Damit ist der Sieg diesmal auf Calveras Seite. Zynisch schenkt er den Sieben das Leben, läßt sie aus dem Dorf eskortieren und warnt sie davor, jemals zurückzukehren. Doch die Sieben kehren zurück, gerade in dem Augenblick, als Calvera die Anführer der Dörfler aufhängen lassen will. Es kommt zu einem erbitterten Gefecht... |
Die
Western-Adaption von Akira Kurosawas "Die Sieben
Samurai", der ein Film gegen japanische Traditionen war
("Die japanischen Filme neigen dazu, leicht und bekömmlich
zu sein wie grüner
Tee über Reis;
ich wollte eine kräftigere Kost bereiten"), markiert den
Beginn des japanischen Zeitalters im Western. Die Einsamkeit des
Antihelden,die Faszination der amoralischen Attitüde, der
zerbrechliche Zynismus der bezahlten Spezialisten, die
brüderliche Verwandtschaft von Held und Schurke, die kalte
Unberührtheit, "the cool" von Männern, die sich nicht
mit überflüssigen Kategorien beschäftigen; eine Bevölkerung
von Schafen unter dem Schermesser von Bandidos, die das Abziehen
von Wolle genießen: Von den Glorreichen Sieben geht der Weg des Western
über die Professionals von Richard Brooks und Sergio Leones Für
eine Handvoll Dollar in den Italo-Western und den Yankee-Western,
der die italienische Lektion gelernt hat.
Der Western der sechziger Jahre ist der Western, bei dem die "kräftige Kost" Kurosawas gut angeschlagen hat. In seinen späteren Werken ist der Zynismus der Macher soweit gediehen, daß die Helden reichlich entlohnt werden; bei Kurosawas wie bei John Sturges bleibt ihnen nur der bittere Geschmack der Unbehaustheit. In den Sieben Samurai sagt einer der Schwertmänner nach der letzten blutigen Schlacht: "Wir haben wieder überlebt." Der Anführer sieht, wie die befreiten Bauern sich singend ihrer Arbeit zuwenden, und antwortet: "Wir haben wieder verloren. Die Sieger sind die Bauern, nicht wir.
"Die glorreichen Sieben beten die Litanei der Einsamkeit:
"Frauen? Kinder? Keine. Fester Wohnsitz? Keiner. Erstrebter
Wohnsitz? Keiner. Menschen, denen man begegnen möchte? Keine.
Menschen, denen man aus dem Weg gehen mächte? Keine. Ruhe?
Keine. Freunde? Keine. Feinde? Keine.Keine Feinde? Lebende
Feinde? Keine."
John Sturges: "Obwohl The Magnificent Seven ein
Western-Remake des japanischen Films Die Sieben Samurai ist,
unterscheiden sich beide Filme stilistisch beträchtlich. Ich
habe eine Menge von Kurosawas Sachen benutzt, weil sie wunderbar
waren, und ich war sehr beeindruckt von seinen Ideen und seiner
Dramaturgie, aber die Art, in der wir die Geschichte erzählten
und die Kamera bewegten, war ganz anders.
Der Moment, wenn Britt dasitzt und darauf wartet, daß die
Banditen zu ihren angepflockten Pferden zurückkommen und von
einigen Blumen fasziniert wird und ihre Blüten studiert - das
haben wir gestohlen. Wir sind Kurosawas Exposition bis auf eine
Abweichung komplett gefolgt. Die Banditen waren gesichtslos und
anonym, man lernte sie nicht als Individuen kennen, sie sprachen
nie ein Wort. Wir entwickelten die Figur des Banditenchefs: darin
wichen wir von Kurosawas ab. Ansonsten fängt unser Film genauso
an wie seiner.
Wir zeigen eine kleine Stadt, die Banditen kommen und sagen: "Wir kommen wieder, wenn das Korn reif ist." Die Leute versammeln sich und sagen: "Was sollen wir machen?", und sie sind ratlos, also gehen sie zu dem alten Mann und fragen ihn. Er sagt: "Engagiert Samurais! (Engagiert Gunfighter!)" Sie sagen: "Das sind stolze Männer, die viel Geld verlangen." Und er sagt: "Gut, dann engagiert hungrige Gunfighter." Die Auseinandersetzung, ob der Indianer auf Boot Hill begraben werden darf, war unsere eigene Erfindung, aber was wir suchten, war die gleiche Kombination von Mut und Menschlichkeit, die in der korrespondierenden Szene des Originals gezeigt wird. Die Rolle von Horst Buchholz ist eine Kombination von zwei Figuren.
Mifune ist ein großer Komödiant, und ich kannte niemand, der
seine Rolle spielen könnte. Außerdem spielt der japanische
Film vor ungefähr 400 Jahren und beschäftigt sich intensiv mit
Schwertern und Samurais und dem grauenhaften Zwang, als
jemand Wichtiges betrachtet zu werden: Würde man das auf
Gunfighter übertragen, so kämen seltsame Untertöne zustande.
Ein
Revolver ist ein kleiner Gegenstand, er ist etwas ganz anderes
als ein Schwert, das hätte mir alles zu falsch geklungen. Also
nahmen wir zwei Figuren von Kurosawa - den Mann, der ein Samurai
werden will, und den jungen Kerl, der ein Samurai werden will -
und machten daraus eine einzige Figur" (FILMS AND FILMING).
Neben dem im Vorspann genannten William Roberts hat der
prominente Autor Walter Newman (The True Story of Jesse James) am
Drehbuch mitgearbeitet; seine Konflikte mit John Sturges
illustrieren die Adaptionsprobleme des Stoffes. Newman:
"Nachdem wir den Kurosawa-Film gesehen hatten, waren wir uns
einig geworden, daß die Geschichte in einem kleinen Dorf von
etwa gleichen Ausmaßen spielen sollte, mit viel physischer
Aktivität auf kleinem Raum, das schien uns das richtige Gefühl
zu geben.
Aber in den Dekorationen, die John Sturges dann hat bauen lassen, war der Dorfplatz ungefähr so groß wie der Times Square. Dann hatte ich eine Szene geschrieben, die in einem Stall spielt. Meine Vorstellung war,daß die Straßen des Western-Dorfes sehr belebt sind, dann haben wir die Szene im Stall, die auf eine brutale Konfrontation hinweist, und wenn wir den Stall verlassen,sind die Straßen wie leergefegt - die Leute haben sich weggemacht, um nicht im Weg zu sein, wenn die Kugeln fliegen - das hätte einen gespenstischen Kontrast gegeben.
John Sturges aber drehte die Szene in einem offenen Corral,
und damit war die Wirkung natürlich futsch. Der Film war voll
solcher kleiner Veränderungen. Und deshalb habe ich schließlich
gesagt: "Johnny, nimm meinen Namen aus dem Vorspann und leck
mich!" Deshalb steht mein Name nicht drin.Aber es ist ja
doch noch ein guter Film geworden« (Focus ON FILM). Die
Nachfolgeproduktionen Return of the Seven (1966), Guns of the
Magnificent Seven (1968) und The Magnificent Seven Ride
(1972) haben mit John Sturges' Film nur die Musik von Elmer
Bernstein und die Sieben gemein, die aber nie wieder so
glorreich besetzt wurden wie im Original.
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