
Die letzten freien Menschen sind in tödlicher Gefahr. Die Maschinen bewegen sich Meter für Meter durch die Erde, um die Stadt Zion zu zerstören. Das Oberkommando der Widerstandskämpfer will den Feind frontal angreifen. Der Senat setzt jedoch durch, dass Morpheus und der von ihm gefundene Messias Neo gleichzeitig einen anderen Weg versuchen. Innerhalb der computergenerierten Matrix wollen sie in ein Gebäude eindringen, durch das Neo zur »Quelle« gelangen kann, der Schaltzentrale der Maschinen.
Ehe es soweit ist, müssen Morpheus, Neo und seine Geliebte Trinity ein
arrogant auftretendes Computerprogramm austricksen, das sich »Der
Merowinger« nennt und den »Schlüsselmacher« gefangen hält. Letzterer
bringt die drei ins Gebäude. Zwischendurch muss Neo ein weiteres Mal Agent
Smith gegenübertreten, der jetzt auf eigene Rechnung arbeitet und sich
hundertfach duplizieren kann. Die »Quelle« entpuppt sich als der Architekt
der Matrix. Er stellt Neo vor die Wahl, entweder Trinitys Leben oder Zion
zu retten. Der von Alpträumen rund um Trinitys Tod geplagte Auserwählte
entscheidet sich für Ersteres. Ein Vorstoß gegen die Maschinen erweist
sich als nicht möglich. Morpheus verliert nicht nur seinen Glauben an Neos
Auserwähltheit, sondern auch sein Schiff, die »Nebukadnezar«. Der
Frontalangriff der menschlichen Armee gegen die Maschinen gerät durch
Verrat zum Fehlschlag.
Am Ende des Films sind es noch 24 Stunden, bis Zion
zerstört werden wird...
Kritik
Von der Faszination und Originalität des ersten Teils ist in diesem
Sequel nicht viel übrig geblieben. Die Action-Sequenzen werden durch die
»Bullet-Time«-Sequenzen und die übrigen Effekte zu überbordenden
Schauwerten, die dem erschlagenen Zuschauer kaum Zeit zum Nachdenken
lassen. Die ruhigen Dialog-Szenen sind im Vergleich dazu meist statisch
und uninteressant. Neo und seine Mitstreiter müssen versuchen, miteinander
konkurrierende Computerprogramme
gegeneinander auszuspielen, um den
Schlüsselmeister zu befreien und zur »Quelle« vordringen zu können. Der
Hintergrund ihres Tuns bleibt hoch komplex, undurchschaubar und kaum
verständlich.
Es ist nicht hilfreich, dass die regieführenden Wachowski-Brüder Computerprogrammen nicht nur die Gestalt, sondern auch die allzu menschlichen Eigenschaften unserer eigenen Spezies verliehen haben. So erscheint »Der Merowinger« nicht als übermächtige Maschinen-Software, sondern als provinzieller Gauner. Seine verführerische »Ehefrau« Persephone gibt die gelangweilte Gattin, die ihrem Mann eins auswischt. Dass Programme Menschen derart ähnlich sein sollen, ist nicht nur unglaubwürdig. Es nimmt dem Matrix-Universum auch eine seiner originellen Besonderheiten - den unerbittlichen, maschinellen Feind, wie er bisher von Agent Smith verkörpert wurde. Monica Belluccis Auftritt als Persephone ist, auch gemessen an ihrem erotischen Potenzial, eine Bagatelle - wie sie auch selbst in ihrem eigenen Text sagt.
Der Kampf gegen Agent Smith ist bombig inszeniert, aber überflüssig und folgenlos. Der Opfertod des Schlüsselmachers berührt nicht. Die Geister schließlich, ein Zwillingspaar, das sich selbst nach Belieben materialisieren oder feinstofflich machen kann, lassen den Zuschauer trotz ihrer Gefährlichkeit kalt.
Es spricht auch nicht für den Film, dass sich sein Inhalt so knapp, wie oben geschehen, zusammenfassen lässt. Er wird nicht nur durch die wirklich langen, aber nie langweiligen Action-Sequenzen gestreckt. Der Zuschauer erfährt auch eine Menge über zwischenmenschliche Beziehungen, die im Film nicht weiter entwickelt werden. Warum philosophiert Neo in Zion mit einem alten Senator über Maschinen? Warum ist es wichtig, dass Morpheus mit dem Kommandanten der Widerstandskämpfer um eine Kapitänin buhlt? Wieso müssen wir erfahren, wie sehr Link, der neue Bordtechniker an Bord der Nebukadnezar, von seiner Familie in Zion vermisst wird? Man kann nur hoffen, dass diese Handlungsteile im dritten Teil wieder aufgenommen werden. Für den zweiten allein ergeben sie keinen Sinn.

Zuschauer, die den ersten Teil nicht kennen, können Action und Effekte dieses Films durchaus genießen. Dagegen reagieren eingeschworene Matrix-Fans enttäuscht auf die Fortsetzung. Ein großer dreiteiliger Wurf, der wie Star Wars in allen Episoden fasziniert, ist den Wachowski-Brüdern nicht gelungen - nur die weitere Ausbeutung eines Erfolgs, der zum Franchise mutiert ist.

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Deutscher Kinostart:
22.5.2003 (Warner) /
FSK
ab 16 Jahre
Foto: Warner Bros.

Im Wesentlichen aus "Epilog.de"
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